9. Mai - 1. Juni 2009
Festival der Regionen, Linz SolarCity
Sie wollen einen Abend lang Strom sparen?
Ihnen fehlt das ultimative Programm?
Sie mögen gemütliche Fernsehabende alleine oder mit Freunden?
AKKU – Arbeiten mit Alltag entwickelte für das Festival der Regionen ein exklusives Fernsehprogramm: live, in 3D und garantiert ohne Mattscheibe.
Der home:entertainer wurde direkt am AKKUmobil gebucht und kam mit dem mobilen Fernseh-Komplettpaket zu den Gastgebern in die guten Stuben des Linzer Stadtteils SolarCity.
Speziell für das überschaubare Wohnzimmerpublikum wurde eine kleine Guckkastenbühne zur Flimmerkiste und bot eine rasante Zapping-Tour quer durch die Kanäle und Formate der deutschsprachigen Fernsehlandschaft.
Mehr Infos über home:entertainer auch auf der Festival-Website
AKKU – Arbeiten mit Alltag:
home:entertainer in der SolarCity / Linz
Frühling 2009, ein Festival mit dem Motto „Normalzustand“ in einem Stadtteil in Österreich mit dem Namen „SolarCity“. Was ist dort normal?
Es ist verlockend, den Normalzustand in SolarCity als fragwürdig zu betrachten; schon bei unserem ersten Besuch zur Vorbereitung konnten wir uns einer gewissen Beklemmung nicht erwehren. Doch in unseren Augen funktionierte die Normalität sofort, schadlos und nachhaltig.
Auf der Suche nach Alltagsleben, nach offenen Fragen und netten Gesichtern sind wir zwischen den Niedrigenergie-Häusern umhergestreift, haben einen Schlenker an den See gemacht und den Lunaplatz gekreuzt. Das typische Gewimmel eines belebten Stadtteiles fanden wir in SolarCity nicht; und auch keine Nischen, keine geheimnisvollen Ecken, wie sie an weniger geplanten Orten entstehen, im Wachstum der Plätze und Handeln der Bewohner übrig bleiben. Die Außenraumgestaltung präsentierte sich uns durchweg wohlsortiert und gefegt. Vielleicht sind die Nischen mit eingezogen in die Innenräume, in die Beziehungen, in die Köpfe?
Im Vorübergehen sahen wir die Fernsehgeräte in den Fenstern flackern. Der Fernseher, um den herum man sich im Kreis der Kleinfamilie aufhält, erschien uns als Totem dieses inneren Alltags. Nicht mit seinen Inhalten zog er unsere Blicke auf sich, sondern mit den formlosen Lichtern und Schatten, die er aus der so hermetisch wirkenden Normalität in die Außenwelt entließ.
Die Menschen, zu denen wir Kontakt hatten, fühlen sich wohl in SolarCity. Hier ist die Welt in Ordnung. Manche Wohnungen ähnelten einem Möbelhaus, und auch die Vorgärten – alles, bis in kleinste Winkel, baumaximal und ikeal kreativ gestaltet und bunt ornamentiert.
Das Leben wird erleichtert durch die vorgegebenen Strukturen. Und man scheint bei der Einrichtung den Vorgaben lieber entsprechen als dem etwas entgegen setzen zu wollen. Warum auch? Der Stadtteil wurde ja nicht „irgendwie“ entworfen und gebaut, sondern nach den Vorstellungen der Planer von den Vorstellungen der Bewohner von einem gelungenen, zeitgemäßen und glücklichen Leben – zu dem auch das entsprechende Interieur gehört. Also ähnelten sich die Innenräume – was uns völlig normal vorkam.
Die Annahme, dass sich Wohlbefinden dadurch einstellt, dass man weiß, was wo ist, wo man sich selbst befindet, scheint bestätigt. Man passt hinein, hat sich arrangiert, findet sich glücklich im Gefüge mit Maß. Zum Über-die-Stränge-schlagen wurden weder der Stadtteil noch die Wohnungen erfunden.
So wirkten die Wohnsituationen in SolarCity von außen betrachtet recht einheitlich, und innen fanden wir Menschen gewöhnlicher Verschiedenheit: Post- oder Zollbeamte, Versicherungsangestellte, Energieplaner, Handelsvertreter, Journalisten... Wo wir waren, war Mittelschicht.
AKKU ist normal. Freundliche Menschen mit einem netten Anliegen, ganz und gar unverfänglich und zudem kostenlos. Es gab kaum Vorbehalte. Unser Vorhaben, als Fremde mit dem home:entertainer in die privaten Wohnungen eingeladen zu werden, war weniger riskant, als wir zunächst annahmen.
Die Kontakte mit unseren Gastgebern waren von offenem gegenseitigen Interesse geprägt. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass es in SolarCity eine gewisse Routine im wohlwollenden Umgang mit von außen Kommenden gibt – man scheint sich der Bekanntheit und äußeren Attraktivität seines Lebensortes positiv bewusst zu sein. Oder ist es nur noch zu früh für Nachbarschaftsorganisationen, die die soziale Oase verteidigen?
Normalerweise lädt man zu sich Menschen ein, die einem nah sind oder denen man näher kommen möchte. AKKU war nichts dergleichen. AKKU kam als Gruppe und wurde auch während des Aufenthalts in den Wohnungen durchgehend im Plural behandelt, was im konventionellen Gastgeber-Gast-Verhältnis sehr selten vorkommt. Auch AKKU selbst gab seine Geschlossenheit nie auf und integrierte sich nicht. Aber die ausdrücklich angebotene Gelegenheit, fremde Personen als zusätzliche Gäste in den heimischen Kreis einzuladen, nutzten wenige.
Ab wann wird das Fremde zum Eigenen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Jetzt. Das Fremde ist nicht völlig fremd und das Eigene ist einem nie ganz sicher. Es handelt sich also nicht um divergierende Zustände, sondern um einen Prozess, in dem in beide Richtungen beständig Leben erzeugt wird. Das Fremde kann in einem stecken, das Eigene anderen gehören. Wir tragen mehr Fremdkörper in unserer Körperhülle, als Körperzellen, aus denen wir 'eigentlich' bestehen. Eigentum und das Konzept der „Aneignung des Fremden“ erscheinen uns bisweilen fragwürdig.